DITIB - Zentrale in Köln
DITIB - Zentrale in Köln © Akif Sahin

Die Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) hat sich gegen eine Teilnahme an der u.a. von Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor organisierten Friedens-Demonstration in Köln positioniert. In einer Pressemitteilung hat sich der Verband am Mittwoch (14.06.2017) deutlich positioniert und will von der Demonstration nichts wissen. Damit bleibt fraglich, ob die Demonstration am Wochenende überhaupt einen großen Andrang haben wird.

In der Pressemitteilung macht die DITIB deutlich, dass man schon immer gegen Terror und die Ideologie der DAESH gewesen sei und dies bei unzähligen Gelegenheiten öffentlich gezeigt habe. Der Dachverband beklagt außerdem, dass die Initiatoren der Demonstration vorab keine Gespräche mit der DITIB-Führung geführt hätten. Es sei Muslimen darüber hinaus nicht zumutbar an einem Fasten-Tag lange zu demonstrieren.

„Den Personen, die diese aktuelle Demonstration organisieren, hätte bewusst sein müssen, dass für eine gemeinsame Veranstaltung Vorgespräche notwendig sind. Auch hätten wir den betreffenden Personen vorab erklären können, dass am 22. Tag des Ramadan, an dem in Köln von 3:47 Uhr bis 21:55 Uhr gefastet, also nichts gegessen und getrunken wird, es den fastenden Muslimen schlichtweg nicht zumutbar ist, stundenlang in der prallen Mittagssonne bei 25°C zu marschieren und demonstrieren“, heißt es in der Erklärung.

DITIB beruft sich bei Absage auf Integrationsministerin Aydan Özoğuz (SPD)

Forderungen nach muslimischen Anti-Terror-Demonstrationen griffen laut DITIB zu kurz. Muslime würden dadurch stigmatisiert und Terrorismus werde auf sie verengt. Betroffen seien Gemeinden und Moscheen. In der Erklärung heißt es weiter, dies sei der falsche Weg und das falsche Zeichen und spalte die Gesellschaft. Interessanterweise führt die DITIB als Kronzeugin für ihre Haltung die Staatsministerin für Integration, Aydan Özoğuz (SPD), auf. Man pflichte ihr in der Sache bei, heißt es in der Erklärung.

Die Initiatoren erwarten 10.000 Menschen zur Demonstration in Köln. Infos: http://ramadan-friedensmarsch.de/

„Muslime sind darüber hinaus keine Verhandlungsmasse, die sich nach Belieben hierhin oder dorthin zitieren lässt – die DITIB hätte sich statt Ansprache über die Medien zumindest Gespräche im Vorfeld gewünscht“, heißt es weiter. Die DITIB wirft den Initiatoren entsprechend auch indirekt „mediale und politische Effekthascherei“ vor. Es gehe den Initiatoren nicht um die Bedürfnisse und Wünsche der Muslime. „Öffentlich wirksame Aktionen begrüßen wir, lehnen jedoch die Art und Weise, wie dieser angekündigte Marsch organisiert wurde, ab. Diese Form ist eine öffentliche Vereinnahmung und Instrumentalisierung.“

Demonstration findet ohne DITIB, Islamrat, IGMG und VIKZ statt

Die DITIB gilt als größter muslimischer Dachverband in Deutschland. Auch andere große Verbände, wie der von der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) dominierte Islamrat und der Verband der islamischen Kulturzentren (VIKZ), positionieren sich zwar nicht öffentlich, stellen sich aber sehr wohl gegen eine Teilnahme an der Demonstration. Bisher hat sich nur der Zentralrat der Muslime (ZMD) zur Demonstration bekannt und will nach bisherigem Stand teilnehmen, obwohl auch hier es Kritik aus der Basis gibt.

Ob die deutliche Positionierung der DITIB gegen die Friedens-Demonstration auch politische Konsequenzen nach sich ziehen wird, steht im Raum. Der Dachverband geriet zuletzt in die Schlagzeilen wegen Spionagevorwürfen und diesbezüglichen Ermittlungen. Dabei wurden auch staatliche Fördergelder kurzfristig eingefroren. Die Bundesregierung gab die Gelder später jedoch wieder frei. Die Absage an eine Demonstration für den Frieden, die von weiten Teilen der Politik und Zivilgesellschaft getragen wird, könnte eine Neubewertung der politischen Handhabe mit der DITIB zur Folge haben.

Kritiker werfen der DITIB seit langem vor, sie werde aus der Türkei gesteuert und sei ein verlängerter Arm von Präsident Erdoğan. Auch wird der Politik in Deutschland vorgeworfen, sie gehe zu lasch mit dem Verband um. Trotz dieses neuen Disputs, kann die Friedensdemonstration in Köln immer noch ein Erfolg werden. Eines jedoch steht zumindest fest: Initiatorin Lamya Kaddor und die muslimischen Verbände DITIB, Islamrat und VIKZ werden so schnell keine Freunde mehr.

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