Die drei gesegneten Monate: Radschab, Schaʿbān und Ramadan

Die drei gesegneten Monate (türkisch: üç aylar) Radschab, Schaʿbān und Ramadan haben heute (29.03.2017) angefangen. Im muslimischen Kulturkreis und auch aus religiöser Perspektive genießen diese drei islamischen Monate einen besonderen Status. Dies geht zurück auf Überlieferungen und religiös-kulturelle Traditionen.

Oft als Beweis zitierte Überlieferungen wie „Oh Alllah, segne die Monate Radschab und Schaʿbān und führe uns in den Ramadan“ (Musnad, I, 259) oder „Der Radschab ist der Monat Allahs, der Schaʿbān ist mein Monat und der Ramadan der Monat meiner Ummah“ (Kaschf al-Hafâ, Band 1, S. 186, Hadith Nr. 554) sind bei Fachleuten jedoch umstritten. Erstere Überlieferung wird von der Mehrheit der Hadith-Experten und Gelehrten als schwach eingestuft, während für die zweite sogar von Autoritäten wie as-Suyūtī eine ursprüngliche Quelle angezweifelt wurde. Einzig auf die Bedeutung des Ramadan, als muslimischer Fastenmonat in dem der Qurʾān al Karim offenbart wurde, kann verlässlich zurückgegriffen werden. Dies ist im Qurʾān und in der prophetischen Tradition (Sunnah) zweifelsfrei verankert.

Der Monat Ramaḍān (ist es), in dem der Qurʾān als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klare Beweise der Rechtleitung und der Unterscheidung.

Wer also von euch während dieses Monats anwesend ist, der soll ihn fasten, wer jedoch krank ist oder sich auf einer Reise befindet, (der soll) eine (gleiche) Anzahl von anderen Tagen (fasten).

Allah will für euch Erleichterung; Er will für euch nicht Erschwernis, – damit ihr die Anzahl vollendet und Allah als den Größten preist, dafür, dass Er euch rechtgeleitet hat, auf dass ihr dankbar sein möget.

[Sure “Baqara”, Vers 185]

Das Konstrukt der drei gesegneten Monate basiert daher eher auf einer Tradition, die sich in den vergangenen Jahrhunderten herausgebildet hat. Man sollte das Konstrukt aber nicht absichtlich missverstehen und von Grund auf ablehnen. Die Tradition selbst dient nicht dazu eine Neuerung in Glaubensfragen einzuführen (Bidʿa). Der Beginn der drei Monate ist heute vielmehr für die Masse von Gläubigen ein willkommener Anlass, um sich auf den bald bevorstehenden Monat Ramadan einzustimmen und vorzubereiten. In den drei gesegneten Monaten Radschab, Schaʿbān und Ramadan liegen verschiedene wichtige Nächte. Deshalb verbringen die Muslime diese drei Monate auch stärker im Gedenken an Allah (swt) und üben mehr gottesdienstliche Handlungen aus, als in anderen Monaten.

Gelehrte sehen bestimmte Dinge jedoch problematisch

Eine Vorbereitung im Sinne einer Verrichtung von freiwilligen und zusätzlichen religiösen Handlungen kann nicht per se als falsch betrachtet werden. Der Islam erlaubt grundsätzlich zusätzliche religiöse gottesdienstliche Handlungen wie Gebete oder Fasten. In den Quellen gibt es aus der Sicht der Mehrheit der Gelehrten jedoch keinen Hinweis darauf, dass ein Fasten im Monat Radschab segensreicher sein soll, als in anderen Monaten. Überlieferungen dieser Art wurden als schwach eingestuft und sind nach Meinung der Mehrheit nicht bindend für die Muslime.

Ein Fasten im Monat Schaʿbān findet sich hingegen in den Quellen und wird von der Mehrheit der Gelehrten entsprechend auch als segensreich eingestuft. So gibt es einen Ausspruch des Propheten Muhammad (saw), das nach dem Fasten im Monat Ramadan ein Fasten im Monat Schaʿbān am segensreichsten sei (Tirmidhī, Zakāt, 28). Es bleibt allerdings weiterhin umstritten, ob es legitim ist den gesamten Monat Schaʿbān im Fasten zu verbringen. Es gibt verschiedene Überlieferungen der Prophetentradition aus zuverlässigen Quellen (u.a. Muslim, Buchārī), die nahelegen, dass der Prophet Muhammad (saw) keinen ganzen Monat durchgefastet hat, außer im Ramadan. Einige Gelehrte äußerten deshalb Bedenken, ein solches (Durch-)Fasten im Monat Schaʿbān könnte das Fasten im Monat Ramadan entwerten. Es wurde daher empfohlen nur die erste Hälfte des Monats – wenn überhaupt – komplett im Fasten zu verbringen.

Besondere Nächte in den drei gesegneten Monaten Radschab, Schaʿbān und Ramadan

In die drei Monate Radschab, Schaʿbān und Ramadan fallen verschiedene Nächte, die als segensreich gelten. Am ersten Freitag des Monats Radschab ist die Regaib-Nacht. In der 27. Nacht des Monats Radschab ist zudem die Miʿrādsch-Nacht. Die fünfzehnte Nacht des Monats Schaʿbān ist die Berat-Nacht und die 27. Nacht des Monats Ramadan wird – obwohl sie in den letzten zehn Nächten vermutet wird – als Qadr-Nacht angesehen.

Die Regaib- und Berat-Nacht sind aus religiöser Sicht umstritten. Es gibt aus der Sicht der Mehrheit der Gelehrten keine Quellen, die zusätzliche Gebete rechtfertigen und eine Besonderheit dieser Nächte beweisen. Die Miʿrādsch-Nacht selbst wird als Andenken an die Himmelsreise (al-Miʿrādsch) und Nachtreise (al-Isrāʾ) des Propheten Muhammad (saw) teilweise anerkannt. Auch hier ist umstritten, ob zusätzliche Gebete erlaubt sind.

Die Qadr-Nacht wird hingegen im Koran in der Sura 97 Vers 1-3 erwähnt. Sie wird dort als besonders wichtige Nacht und als besonders segensreich beschrieben. Entsprechend wird auch empfohlen die Qadr-Nacht im Gebet und im Gedenken an Allah zu verbringen.

Wichtige Termine und Daten zu Radschab, Schaʿbān und Ramadan im Jahr 2017

Es gibt bestimmte Daten, die man anlässlich der gesegneten drei Monate festhalten sollte. Hier eine Übersicht für das Jahr 2017.

  • 29. März 2017 – Beginn des islamischen Monats Radschab
  • 30. März 2017 – Regaib-Nacht (Regaib-Kandili)
  • 23. April 2017 – Himmelfahrt des Propheten Muhammad (saw), wird als Miradsch-Nacht (Mirac-Kandili) bezeichnet
  • 27. April 2017 – Beginn des islamischen Monats Schaʿbān
  • 10. Mai 2017 – Beraat-Nacht (Berat Kandili)
  • 27. Mai 2017 – Fastenmonat Ramadan beginnt
  • 21. Juni 2017 – Die Qadr-Nacht wird in den letzten zehn Nächten des Monats Ramadan vermutet. Viele begehen diese Nacht jedoch in der Nacht des 27. Ramadan. Auch die muslimischen Organisationen in Deutschland setzen den 27. Ramadan als Datum für die Qadr-Nacht fest.
  • 25. – 27. Juni 2017 Ramadan-Fest, Id al Fitr (Ramazan Bayramı)

Qurʾān-Übersetzungen aus www.islam.de

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