Islam verstehen: Geschichte, Kultur und Politik
Islam verstehen: Geschichte, Kultur und Politik

In dem Sachbuch „Islam verstehen: Geschichte, Kultur und Politik“ von Gerhard Schweizer geht es um ein tiefer gehendes und deutlich klareres Verständnis über den Islam und die Muslime.

Haben Sie schon mal etwas von Gerhard Schweizer gehört? Mir war dieser Name bis zu einer verhängnisvollen Email ziemlich unbekannt. In der Nachricht wurde ich gefragt, ob ich nicht Lust hätte das Buch von Herrn Schweizer zu lesen und zu rezensieren. Allein schon beim Titel dachte ich mir: „Schon wieder so ein Pseudo Islam-Experte.“ Doch die Vorurteile wurden mit jeder Seite aus dem Buch zur Seite geschoben und als unbegründete Vorurteile entlarvt. Selten habe ich ein Buch gelesen, das mir nicht nur gefällt, sondern auch einen verborgenen Wissensschatz bietet, den man unbedingt – egal ob Muslim oder Nicht-Muslim – gelesen haben sollte.

„Islam verstehen: Geschichte, Kultur und Politik“ ist ein Plädoyer für mehr Verständnis

Schweizer ist Kulturwissenschaftler, Weltreisender, Bestsellerautor und gilt als ausgewiesener Kenner der islamischen Welt. Sein Wissen ist allerdings nicht nur auf den Islam beschränkt. In „Islam verstehen: Geschichte, Kultur und Politik“ bietet der Autor zunächst einen Einblick in die theoretischen Grundlagen einer Weltreligion und liefert außerdem Eindrücke aus erster Hand über die „islamische“ Welt. Dabei glänzt Schweizer mit seinen Schilderungen und begleitet den Leser in eine Welt, die voller Widersprüche erscheint, aber dennoch eine reale muslimische Welt abbildet. Ebenso vertieft der Autor das Verständnis füreinander mit einer einfachen Herangehensweise.

Wer glaubt, man könne ein gutes Islam-Buch schreiben, ohne auf die christliche Welt zu blicken, der sollte diese Buch gelesen haben. Schweizer analysiert nicht nur vergleichend die Geschichte und Kultur des Islam, sondern auch des Christentums. Dabei macht er nicht den Fehler Äpfel und Birnen zu vergleichen, sondern deutet die Dinge, wie sie sind und einzeln, um auf die gemeinsamen Punkte zu kommen, die heute in beiden Weltreligionen anzutreffen sind. Schweizer macht dabei nicht den Fehler wie andere Autoren den islam zu verchristianisieren. Eben so wenig islamisiert Schweizer das Christentum. Er zeigt nur dort Parallelen auf, wo die Geschichten sich ähneln und auf Lösungen verweisen.

Wer sich schon immer für den anderen Glauben interessierte, wird mit diesem Buch intensiv in die Geschichte, Kultur und Politik beider Weltreligion, von Christentum und Islam, eingeführt. Und vor allem geht Schweizer hart ins Gericht mit den Vorurteilen, die in beiden Lagern übereinander vorherrschen. Wenn es ein Plädoyer für ein besseres und stärkeres Verständnis füreinander geben sollte, dann denke ich, ist es dieses Buch. Es durchbricht dabei die Grenzen, die die Religionen und ihre Anhänger festgeschrieben und plädiert für mehr Toleranz.

Antworten auf (Islam-)Fragen unserer Zeit

Schweizer geht intensiv und mit Beispielen aus der Geschichte den aktuellen und wichtigen Themen auf den Grund. Vorurteile, Gemeinsamkeiten, Kreuzzüge, Toleranz, Fundamentalismus, Islamismus, Terrorismus, Zuwanderung und der Kampf zwischen Moderne und Tradition werden in diesem Buch nicht nur behandelt, sondern tiefergehend betrachtet.

In einer Kritik in der Frankfurter Rundschau schreibt die von mir geschätzte Autorin Hilal Sezgin: „Schweizer denkt gründlich und einfühlend über die Grenzen der Religion nach und über die Möglichkeit, diese zu überschreiten.“ Tatsächlich liefert der Autor noch mehr als das. Ich habe selten gesehen, dass jemand so facettenreich und detailliert die Dinge zusammenfassen und dabei Brücken zwischen Welten aufbauen konnte.

Besonders die Auseinandersetzung mit der Frage, ob die Moderne nicht auch die Krise der Weltreligionen ist und welche Chancen sich daraus ergeben, werden von Schweizer gekonnt und wie bei keinem anderen Autor zuvor, analysiert und aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Das Buch ist gewaltig in seinem Gehalt und entsprechend auch gewaltig in seiner Seitenzahl. Allein der Anhang und die Zeittafel bis in unsere Zeit würden ein eigenes kleines Buch füllen.

Fazit zu Islam verstehen: Geschichte, Kultur und Politik

Es zeigt sich so, wie stark sich Schweizer mit dem Thema auseinandergesetzt und liebevoll an einem Plädoyer für ein besseres Miteinander gearbeitet hat. Dabei hat er das Rad nicht neu erfunden, er hat aber die Gabe Kernpunkte herauszufiltern, die das Interesse des Lesers nicht versiegen lassen. Es ist traurig, dass wir solche Bücher und solche Personen nur per Zufall entdecken. Dabei ist dieses Buch keineswegs neu. Neu ist allenfalls, dass ein Autor wirklich und ernsthaft die Krise des Islam (und des Christentums) verständnisvoll für eine breite Leserschaft aufbereitet hat.

Selten möchte ich eine klare Kaufempfehlung für ein Buch geben. Bei „Islam verstehen: Geschichte, Kultur und Politik“ fällt mir kein einziger Grund dagegen ein. Ein absolutes Muss und eine klare Leseempfehlung für dieses besondere Werk voller Informationen und Weisheit. Ich möchte mich an dieser Stelle auch ganz besonders für das mir zugeschickte Rezensionsexemplar herzlich bedanken. Es war ein Genuss dieses Buch zu lesen und vom Wissensschatz von Herrn Schweizer zu profitieren. Er hat auf jeden Fall einen Fan mehr.

Titel: Islam verstehen: Geschichte, Kultur und Politik
Autor: Gerhard Schweizer
Verlag: Klett-Cotta
Seiten: 610
ISBN: 978-3-608-98100-1
Kosten: 9,95 €
Link: https://www.klett-cotta.de/buch/Gesellschaft_/_Politik/Islam_verstehen/74783

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